Nachfolge mit ganzem Herzen (Lk 14,25-33)
(Allgemeine Themen, 08.September 2025)
Predigtimpuls zu Lukas 14,25–33 – Sonntag 07. September 2025, Wallfahrtskirche Hergiswald (23. Sonntag im Jahreskreis)
Liebe Gottesdienstbesucherinnen und Besucher.
Das Evangelium, das wir gerade gehört haben, ist kein einfacher Text. Jesus spricht Worte, die uns erschrecken können – vielleicht sogar abstossen, „Wenn jemand zu mir kommt und nicht Vater und Mutter, Frau und Kinder, Brüder und Schwestern, ja sogar sein eigenes Leben gering achtet, der kann nicht mein Jünger oder Jüngerin sein.“
Das klingt hart. Und es ist auch hart. Jesus beschönigt nichts. Er macht keinen leichten Einstieg in die Nachfolge. Er sagt klipp und klar: Wer mir folgen will, muss bereit sein, alles andere zurückzustellen – selbst das Liebste, was wir haben.
Aber wir dürfen diesen Text nicht falsch verstehen. Jesus sagt nicht: „Verachte deine Familie“ oder: „Gib dein Leben auf, wie ein Fanatiker.“ Sondern: Setze mich an die erste Stelle. Er spricht davon, dass Nachfolge kein Nebenbei-Projekt ist. Keine Option unter vielen. Sondern ein Weg, der unser ganzes Leben betrifft.
Viele von uns – besonders, wenn wir schon auf ein langes Leben zurückblicken – wissen: Es gibt keine Liebe ohne Verzicht. Wer Kinder grosszieht, verzichtet oft auf eigene Wünsche. Wer einem Menschen treu bleibt, muss manchmal Umwege gehen. Wer Verantwortung übernimmt, weiss: Das kostet Kraft, manchmal auch Schlaf und Nerven.
So ist es auch mit dem Glauben. Jesus ruft uns nicht zu einem gemütlichen Glauben auf, der uns nichts kostet. Er ruft uns zur Hingabe. Und das kann manchmal bedeuten: alte Sicherheiten loszulassen. Gewohnheiten zu hinterfragen. Entscheidungen im Licht des Evangeliums zu prüfen.
Jesus fordert uns auf, wie ein Bauherr zu überlegen: Habe ich die Mittel, um dieses Haus zu bauen? Oder wie ein König: Reichen meine Kräfte für diesen Weg? Er will, dass wir ehrlich sind. Dass wir wissen: Dieser Weg ist kein Spaziergang – aber er lohnt sich.
Denn eines sagt Jesus damit auch: Du bist mir diesen Einsatz wert. Er traut uns zu, dass wir Ja sagen können – nicht leichtfertig, aber aus ganzem Herzen. Und er weiss: Wer loslässt, wird von ihm gehalten.
Vielleicht ist das gerade für ältere Menschen ein tröstlicher Gedanke. Viele haben im Leben schon viel losgelassen: Menschen, die ihnen nah waren. Gesundheit, Unabhängigkeit, Lebenspläne. Und doch: Wer auf Jesus setzt, bleibt nicht leer zurück.
Vielleicht noch ein anderes Beispiel wie man Nachfolge verstehen kann. Ich persönlich habe seit einigen Jahren Höhenangst, dies war nicht immer so. In jungen Jahren war dies kein Problem, es kam mit der Zeit. Die Folge davon, ich mache keine grossen Bergtouren mehr, keine Gratwanderungen, auch wenn ich die Berge und ihre Gipfel manchmal vermisse.
Und doch habe ich diesen Sommer ein schönes Erlebnis machen dürfen. Ein guter Freund, der sich in den Bergen gut auskennt, nahm mich mit. Er wusste um meine Höhenangst. Doch war es auch mein Wunsch, mit ihm mal wieder in die Höhe zu gehen.
Als wir an eine für mich schon riskante Stelle kamen, sagte er nur: "Ich gehe vor dir". Und das tat er, in sicherem Schritt. Er sagte: "Richte deinen Blick auf meine Schritte, fixiere meine Schritte und schaue nicht links und rechts". Und es hatte funktioniert. Man solle nichts riskieren, und dies hätte ich auch nicht. Aber diese Person gab mir an diesem Ort auf seine Weise Halt.
Ich habe festgestellt, dass es vor allem um drei Dinge geht:
1. Überwindung statt Vermeidung
2. Fixierung meines Blickes nach vorne
3. Vertrauen in den, der vor mir geht
Ist es mit Jesus nicht auch so, ist er nicht derjenige der vor uns geht, auf den wir unser Blick fixieren.
Er ist es, der mit uns geht – bis zum Schluss. Und darüber hinaus.
Nachfolge bedeutet nicht, perfekt zu sein. Sondern: bereit zu sein. Bereit, Jesus zu vertrauen – immer wieder neu. Und darauf zu hoffen, dass sein Weg zum Leben führt.
Amen.
Martin Brunner, Theologiestudent Fribourg