Gedanken zur Metapher "Gebet als Atem des Glaubens"
(Spiritualität, 09. April 2024)
Das Gebet, in welcher Form auch immer, als Atem des Glaubens zu beschreiben, ist eine sehr vielfältige metaphorische Beschreibung. Die wortwörtliche Aussage «Gebet als Atem des Glaubens» lässt verschiedene Perspektiven zu: Im physiologischen Sinn hält der Atem am Leben, und auch wer nicht mehr physiologisch atmet, ist doch noch nicht für tot zu erklären. Hier könnte der Faden weitergesponnen werden und behauptet werden, dass das Leben (und im übertragenen Sinne auch der Glaube) künstlich durch Beatmungsmaschinen erhalten werden kann. Viel ansprechender finde ich in diesem Zusammenhang jedoch den übertragenen Gedanken an eine Wiederbelebung, wo für eine begrenzte Zeitspanne der Atem durch eine helfende Person gespendet wird: Diese weitere Metapher könnte deutlich machen, dass das richtige Wort, das richtige Gebet zum richtigen Zeitpunkt auch den Glauben in einer Glaubenskrise reanimieren könnte.
Auch in Bezug auf die Metapher steht das Sprichwort «einen langen Atem haben». Wikipedia definiert das Sprichwort primär als «Ausdauer haben, abwarten können», was die passiven sowie aktiven Momente widerspiegelt.
Ausdauer haben, kann im Kontext von Trainieren und Üben direkt auf das Gebetsleben übertragen werden und hat so einen sehr aktiven Anteil. Ein Beispiel hierfür ist, dass die intensive Stille und die Zeit während den Gebetszeiten zu Beginn ausgehalten werden müssen. Es kann sehr ungewohnt sein, so viel Raum und Zeit für die Beziehung und das Gespräch zu Gott zu erleben. Beten kann und soll geübt werden, auch unter Anleitung bereits geübter Betenden, fast so wie in einem Sportteam oder einem Musikorchester.
Abwarten können hingegen scheint in diesem Zusammenhang der passive Moment zu sein. Abwarten auf eine Antwort oder Beantwortung des Bittens im Gebet. Abwarten können heisst aber auch, offen zu sein für eine Reaktion und setzt wiederum den aktiven Teil des Hörens voraus.
Und da nun zwei Beispiele zu einem aktiven Teil führen, stellt sich die Frage, weshalb der Atem des Glaubens, also das Gebet, einen passiven Moment haben sollte?
Die Frage erklärt sich mir in der Tatsache, dass sich der Mensch weder die Gnade noch das Heil und schon gar nicht den Heiligen Geist selbst schenken kann. Hier kommt die Passivität ins Spiel: All diese Gaben werden uns durch Gott mit dem Heiligen Geist geschenkt, wir sind Empfangende und dürfen dies einfach annehmen. Für mich bleibt der Gedanke jedoch, dass jeder beschenkte Gläubige nicht einfach ruhig sein kann, sondern aktiv werden möchte und dies auch im Gebet tut. Den Dank für die empfangene Gnade direkt an Gott zu richten, schwenkt wieder in eine aktive Rolle um.
Einen langen Atem zu haben im Rahmen des spirituellen Lebens finde ich wichtig! Manchmal fällt das Beten schwer, manchmal wird die Antwort nicht gehört, manchmal plagen Zweifel das Gebetsleben: Mit dem Wissen, dank dem heiligen Geist durch Jesus Christus zu Gott beten zu können, sollte es aber kein Problem sein, die genannten Punkte auszuhalten und die Beziehung zu Gott zu stärken. Und dafür sind passive wie aktive Momente unabdingbar.
Tamara Landolt, Theologiestudentin, Chur
Bild: Theresa Strobel, Theologiestudentin, Fribourg